FAQ

Wer sind die Patientinnen und Patienten in den Ambulatorien?

In den fünf Ambulatorien werden Menschen behandelt, welche aus Kriegs- und Krisengebieten der ganzen Welt in die Schweiz geflüchtet sind.

Je nach Herkunftsland erfüllen gemäss verschiedenen Studien ein Drittel der Flüchtlinge in den Durchgangszentren die Kriterien einer posttraumatischen Belastungsstörung infolge von organisierter Gewalt, Folter und Krieg. 
Für genauere Angaben der einzelnen Ambulatorien informieren Sie sich hier.

Wie kann ich mich in einem Ambulatorium anmelden?

Ambulatorium Bern

Durch die Anmeldung durch den Hausarzt: Anmeldeformular und weiterführende Infos

Genf

Rufen Sie den folgenden Link auf: Link hug
Oder wenden Sie sich an unsere Telefonzentrale, die montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr und von 14 bis 17 Uhr besetzt ist (Tel. 022 372 96 41). 

Vaud

Rufen Sie den folgenden Link auf: appartenence - Consultations Psychothérapeutique
Sie finden dort die verschiedenen  Adressen und Telefonnummern. Informieren Sie sich bitte dort.

St. Gallen

Der Erstkontakt sowie die Zuweisung erfolgen in der Regel durch den Hausarzt.
Das entsprechende Überweisungsformular findet sich auf gravita.ch
 

Ambulatorium Zürich:

Informationen zur Zuweisung finden sich unter Klinik für Psychiatire und Psychotherapie Zurich

Spielt der Aufenthaltsstatus in der Schweiz eine Rolle, um in ein Ambulatorium aufgenommen zu werden?

Bern

Der Aufenthaltsstatus spielt keine Rolle, auch Nothilfebezüger können zugewiesen werden, sofern die Kostenübernahme durch eine Krankenversicherung oder eine Behörde gewährleistet ist. Patienten ohne Papiere, sogenannte Sans-papiers, können nicht angemeldet werden.

Genf

Gemäss ihrem Auftrag nehmen die Genfer Universitätsspitäler (HUG) alle Menschen auf, die eine Behandlung benötigen, ungeachtet ihres Status und ihrer Herkunft und unter Achtung ihres Glaubens und ihrer Kultur. Der Aufenthaltsstatus der Migrantinnen und Migranten spielt somit für die Behandlung keine Rolle. Dies gilt auch bei Personen mit Nichteintretensentscheid (NEE).

St. Gallen

Der Aufenthaltsstatus spielt für die Behandlung bei Gravita SRK keine Rolle. 
Es können auch Nothilfebezüger zugewiesen werden, sofern die Kostenübernahme durch eine Krankenversicherung oder eine Behörde gewährleistet ist.

Vaud

Informationen folgen

Zürich

Der Aufenthaltsstatus spielt keine Rolle, auch Nothilfebezüger können zugewiesen werden, sofern die Kostenübernahme durch eine Krankenversicherung oder eine Behörde gewährleistet ist. Allerdings können wir im Moment nur Neuanmeldungen aus dem Kanton Zürich berücksichtigen

Wie viele Patienten behandeln Sie pro Jahr

In den letzten Jahren haben die vier Ambulatorien zusammen im Schnitt ca. 650 Patienten behandelt. Mit dem neuen fünften Verbundspartner wird angestrebt, für 1000 Patientinnen und Patienten einen Behandlungsplatz anbieten zu können.

Ist die Nachfrage für eine Behandlung in den Ambulatorien hoch?

Die Nachfrage ist in allen Ambulatorien seit Beginn ungebrochen hoch, und es können nicht alle Personen aufgenommen werden, die angemeldet werden.

Aus welchen Ländern kommen die Patientinnen und Patienten in den Ambulatorien und weitere statistische Werte.

Unsere Patienten kommen von überall her, die grössten Gruppen kommen aus der Türkei, dem ehemaligen Jugoslawien, dem Nahen Osten, Sri Lanka und afrikanischen Bürgerkriegsländern.

Gibt es auch Therapie für Kinder

Bern

Das Ambulatorium für Folter- und Kriegsopfer Bern bietet Therapieplätze für Kinder an. 

Zürich

In Zürich gibt es eine Spezialsprechstunde Psychotraumatologie des KJPD Zürich

Flyer

Wie kommunizieren sie mit nicht deutschsprechenden Patient-/innen

Alle Ambulatorien arbeiten eng mit interkulturellen Übersetzerinnen und Übersetzern zusammen. Rund zwei Drittel der Beratungsgespräche werden mit einer Übersetzungsperson abgehalten. 

Definition von Interkulturellem Dolmetschen

Interkulturelles Dolmetschen bezeichnet die mündliche Übertragung des Gesprochenen von einer Sprache in eine andere unter Berücksichtigung des sozialen und kulturellen Hintergrunds der Gesprächsteilnehmenden. Es findet in einer Trialogsituation – einem «Dialog zu Dritt» – statt.  (aus der Webseite von inter-pret.ch)

Die Kosten für die Übersetzung werden von den Ambulatorien übernommen, da sie von der Krankenkasse nicht gedeckt sind.

Wie läuft eine Behandlung ab

Am Anfang jeder Behandlung steht eine Abklärungsphase, welche sich über mehrere Konsultationen erstrecken kann und dazu dient, ein vertrauensvolles Arbeitsbündnis aufzubauen und sich ein möglichst umfassendes Bild von Beschwerden und Problemfeldern zu machen.

Gemeinsam mit den Patienten wird entschieden, welche psychischen, körperlichen oder sozialen Schwierigkeiten im Fokus der Behandlung stehen und welche Therapieansätze dazu eingesetzt werden sollen. Hierzu stehen neben gesprächstherapeutischen auch medikamentöse, körperorientierte und sozialarbeiterische Angebote zur Verfügung. Bei Bedarf werden zusätzlich externe Kooperationspartner wie bspw. Rechtsberatungsstellen beigezogen. In Abhängigkeit von den Bedürfnissen der Patienten kann sich der Fokus im Verlauf der des Behandlungsfortschritts auch ändern. Teilweise wird die Behandlung mittels Angeboten zur Integrationsförderung unterstützt.

Kann eine komplexe Traumafolgestörung „geheilt“ werden

Die traumatischen Erfahrungen können durch die Therapie weder rückgängig gemacht noch aus der Erinnerung gelöscht werden, das Erlebte gehört zur Biografie des betroffenen Menschen. Ziel der Behandlung ist, einen weniger leidvollen Umgang mit dem Erlebten zu finden und weniger durch die Vergangenheit beeinträchtigt zu werden

Was ist neben der eigentliche Therapie wichtig

In der Regel leiden unsere Patientinnen und Patienten nicht nur unter traumatischen Erfahrungen im Herkunftsland, sondern sie müssen sich gleichzeitig hier eine neue Existenz aufbauen. Oft ziehen die posttraumatischen psychischen Beeinträchtigungen entsprechende Schwierigkeiten mit der sprachlichen und beruflichen Integration in der Schweiz nach sich, welche ihrerseits Krankheitssymptome auslösen oder verstärken können.

Die Behandlung kann sich somit nicht nur isoliert auf Krankheitssymptome beschränken, sondern muss auch die sozialen Rahmenbedingungen mitberücksichtigen. Wichtig ist der Zugang zur Sozialberatung und zum Gesundheitsbereich, wie auch zu juristischer Beratung. Die Förderung in der Autonomie wo immer möglich ist entscheidend. Das heisst Zugang zu Sprachkursen, Beschäftigung und Arbeit. Respekt und Anerkennung, soziale Kontakte und die Entwicklung von Zukunftsperspektiven haben Einfluss auf das Wohlbefinden und den Behandlungsverlauf der betroffenen Person.

Wird eine Behandlung von der Krankenkasse bezahlt?

Die Leistungen Therapie und Beratung werden gemäss Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG) zu Handen der Krankenkasse abgerechnet.

Dabei gelten die üblichen Versicherungsbestimmungen (Franchise, Selbstbehalt) wie bei anderen von der Krankenkasse getragenen Leistungen. Die Kosten für die Übersetzung werden von den Ambulatorien übernommen, da sie von der Krankenkasse nicht gedeckt sind.

Nationale Fachtagung 2017

Wege aus dem Trauma: Perspektiven für geflüchtete Kinder und Jugendliche

Donnerstag, 7. Dezember 2017 09.15 –17.00 Uhr

Kongresszentrum BERNEXPO Bern

Weitere Informationen - Anmeldung

Identität ist der Schnittpunkt zwischen dem, was eine Person sein will, und dem, was die Welt ihr zu sein gestattet.

Erik H. Erikson

Verbundspartner